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So, 22.08.2021 | BC12i (Pudel oben) | Angst macht keinen Lärm. Noise & Politics

Noise als Aufstand. Noise als Aufstandsbekämpfung. Noise als Angriff auf die Vernunft. Ein Abend mit Lärm von Peter Kastner, David Walraf und Musik von Nika Son sowie literarischer Begleitung vorgetragen von und Josefine Israel. Beginn 20 Uhr

Angst macht keinen Lärm, sie lässt verstummen und erstarren, sie treibt in den Rückzug. Protest, Aufruhr und Aufstände dagegen produzieren ein Geräusch, das die ökonomischen Kreisläufe des urbanen Raumes stört, den geregelten Gang des Alltagslebens unterbricht.

Noise undRiot.Wie genau klingt das? –Die Akustik, die in jedem Aufstand vernehmbar wird und die intuitive Assoziation von Ruhe, Ordnung und Sicherheit auf der einen; sowie Lärm, Chaos und Gewalt auf der anderen Seite selbst brüchig und unscharf werden lässt. Jeder Riot hat seine eigene Ästhetik des Hörbaren, die sich entziffern lässt. Jeder Riot hat sein eigenes Sound Design, auf beiden Seiten der Konfliktlinien.

Der Sound der Polizei ist hinlänglich bekannt: Sirenen, die immer gleichen Durchsagen und Aufforderungen („Unterlassen Sie es, Gegenstände auf die Einsatzkräfte zu werfen!“, „Entfernen Sie sich umgehend aus dem Bereich, sonst wird Wasser als Zwangsmittel gegen Sie eingesetzt!“), Hubschraubergedröhne usw. Die Geräusche, die vom Riot selbst ausgehen sind vielfältiger und von dem urbanen Terrain abhängig, in dem sie stattfinden. Ihr Grundsound wird von der Zerstörung privater und öffentlicher Infrastruktur bestimmt, genauso von Schreien und Sprechchören, die aus der jeweiligen Sprache und dem Anlass resultieren. Die sogenannten Shopping Riots, die 2011 in London ausbrachen, waren von den Geräuschen der Alarmanlagen durchzogen. Hört man sich Aufnahmen aus Hamburg an, sind diese mit einem Soundteppich aus zersplitterndem Glas unterlegt.

Andersherum, als ordnendes oder aufstandsbekämpfendes Krach-Mittel, gibt es The Mosquito, ein Ultraschall-Störgeräuschsender, dessen Ziel es ist, mittels Schallwellen in hohen Frequenzbereichen „herumlungernde“ Teenager zu vertreiben.

Weiters kommen bei Militär, Polizei und Sicherheitsdiensten sogenannte Range Acoustic Devices (LRAD) zum Einsatz, die seit 1996 produziert werden. Ein LRAD kann, ähnlich wie ein Suchscheinwerfer, seine Ziele wie mit einem Strahl anvisieren, es bündelt Schall auf einen Brennpunkt. Laut Herstellerangaben ist das Gerät eine »sicherere Alternative zu nicht letalen oder kinetischen Waffen«, es sei »viel sicherer als Wasserwerfer, Tränengas, Gummi- und Pfefferspraygeschosse, Taser sowie Lärm- und Blendgranaten«. Ob es sich bei dem LRAD um eine Waffe oder um ein Kommunikationssystem handelt, ist allerdings umstritten.

Ausgehend vom Ort der Veranstaltung, an dem während des G20 Gipfels ein Demonstrationszug von der Polizei brutal zerschlagen wurde, kann einigen der heterogenen Verbindungslinien zwischen Noise und Riot nachgespürt werden.

Diese ist gefördert im Rahmen des Kultursommers Hamburg. In Zusammenarbeit mit dem Textem Verlag und der “Galerie der abseitigen Künste”.

Die findet draußen statt und man braucht ein Ticket. Die Ausgabe kostenloser Tickets beginnt um 17:00 vor Ort im Barboncino Zwölphi. Der Eintritt ist frei. Bitte kommt geimpft, genesen und/oder frisch getestet vorbei. An die Gäste werden Kopfhörer ausgegeben und darüber die Veranstaltung übertragen. Sollte es stak regnen, fällt die Veranstaltung aus bzw. wird abgesagt. Ein Regenschirm für Nieselregen ist gut für den Kopf und die Kopfhörer. Beginn 20 Uhr

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