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So, 08.08.2021 | BC12i | The Sea Rises. The Light Goes Out. Seenotrettung & Repression. Der politische Schiffbruch der EU

Tickets ab 17 Uhr. Beginn 20 Uhr. Gespräch mit Mitgliedern der Crew des Seenotrettungsschiffes „Iuventa“, denen in Italien ein Strafprozess und bis zu 20 Jahren Haft drohen. Lesung mit Josefine Israel und Philine Roggan. Musik mit Bécsi Kaputèr.

Die weltweit gefährlichste Route für Migrant:innen führt von Libyen über das Mittelmeer nach Malta oder Italien. Allein in den letzten fünf Jahren kamen auf ihr jedes Jahr 1000 bis 5000 Menschen zu Tode. Wer von Nordafrika kommend Asyl in der EU sucht, hat nur wesentlich langwierigere, kostspieligere und weniger erfolgversprechende Alternativen.

Seit dem Ende der italienischen Seenotrettungskampagne ‚Mare Nostrum‘, wälzt die EU die Verantwortung für Flüchtlinge in Seenot auf die libysche Küstenwache ab. Diese befindet sich aber in einem desolaten Zustand. Sie reagiert oft nicht oder erst zu spät auf Hilferufe. Die EU mimt die Wertegemeinschaft der unveräußerlichen Menschenrechte und setzt mit ihrer Behörde Frontex ganz auf Abschottung und Abschreckung. 

Geflohen wird dennoch. Daher sind die Rettungsaktivitäten von nichtstaatlichen Hilfsorganisationen wie Seawatch oder Jugend Rettet in den letzten Jahren noch wichtiger geworden. Deren Arbeit wird jedoch durch Libyen und die EU-Mittelmeeranrainerstaaten behindert und kriminalisiert. Rettungsschiffe werden unter fadenscheinigen Begründungen festgesetzt und die Besatzungen juristisch belangt. In der Folge sind nun weniger Rettungsschiffe und Flugzeuge im Einsatz, so dass die Gefahr, im Mittelmeer zu ertrinken für Migrant:innen stark gestiegen ist. 

Eine europäische Normalität findet sich nicht nur damit ab, dass Migrant:innen zu Tode kommen, sie setzt geradezu darauf. Die humanitäre Selbstverständlichkeit von Seenotrettungen wird als Fluchtanreiz abgewertet, In dieser verrückten Normalität kümmert es nicht, dass Menschen auch im 21. Jahrhundert noch unter elenden gesellschaftlichen Zuständen leiden und fliehen müssen und dass selbst die strapaziöse Flucht übers Mittelmeer ein Privileg darstellt, das für Alte, Kranke und die Ärmsten der Armen keine Option ist. Es interessiert allein, dass die Festungsmauern halten.

Dieser Normalität widmet sich der Abend in einer Collage aus Textfragmenten, Informationen und Tönen. Der Abend beginnt um 17:00 mit DJane Bécsi Kaputèr. Um 20:00 beginnt die Lesung mit Josefine Israel und Philine Roggan. Es folgt ein Gespräch mit Vertreter:innen der Iuventa über ihre Arbeit, die Repression in Italien und über die EU-Flüchtlingspolitik.

Diese ist gefördert im Rahmen des Kultursommer Hamburg. In Zusammenarbeit mit dem Textem Verlag und der “Galerie der abseitigen Künste”.

Alles etwas anders wegen Corona: Die findet draußen statt und man braucht ein Ticket. Die Ausgabe kostenloser Tickets beginnt um 17:00 vor Ort im Barboncino Zwölphi. Der Eintritt ist frei. An die Gäste werden Kopfhörer ausgegeben und darüber die Veranstaltung übertragen. Daher ist die Teilnahme stark begrenzt. Sollte es stak regnen, fällt die Veranstaltung aus bzw. wird abgesagt.

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