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Do, 20.02.2014 | Patrick Kilian: Surrealismus und Wildes Denken: Contre-Attaque und die Revolution im Kino

Am 7. Oktober 1935 fanden sich der Philosoph Georges Bataille und der Schriftsteller André Breton für eine kurze Zeit zusammen, um den Aufstand zu proben. Zusammen mit einigen Gleichgesinnten gründeten sie in Paris die Gruppe „Contre-Attaque“, einen Kampfbund revolutionärer Intellektueller, der gegen die Dritte Französische Republik, den Faschismus, den Kapitalismus und den Kommunismus gleichermaßen gerichtet war. Um die Revolution zu denken, verknüpften sie unter anderem Hegel mit Nietzsche und Freud mit dem Kino zu einem wilden und hochprozentigem Theorie-Cocktail. Nach knapp einem halben Jahr war jedoch bereits schon alles wieder vorbei und die einstigen Revolutionäre gingen im Streit auseinander.

Resignation statt Revolte. Sie hatten wenig mehr erreicht als die Veröffentlichung einiger Flugschriften sowie die Organisation gemeinsamer Treffen, zu denen auch Filmabende mit Luis Buñuels surrealistischem Mindfuck „L’Âge d’Or“ gehörten. Doch warum ging diese Revolution lieber ins Kino, anstatt auf die Straße? Die kurze Geschichte Contre-Attaques erzählt eine Genealogie des Scheiterns und der Missverständnisse, die obgleich in ihrer Zeit folgenlos, dennoch einige entscheidende Markierungen in der französischen Theorie- und Intellektuellengeschichte vornehmen sollte.


studierte an der Universität Mannheim von 2007 bis 2012 Geschichte und Philosophie und veröffentlichte 2013 seine Arbeit über „Georges Bataille, André Breton und die Gruppe Contre-Attaque“. Mittlerweile arbeitet er an der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Zürich zur Wissensgeschichte des Kalten Krieges.